Spielstand 2

Fluch der Könige - Literaten und ihre öffentliche Rolle

Der Fall Grass hat einmal mehr gezeigt: An Häutungen ist der Kulturbetrieb immer interessiert, vor allem dann, wenn sie als vermeintliche Konversion einer *moralischen Instanz" daherkommen. Gänzlich unverändert bleiben in diesem Inquisitionsspiel jene Machtpositionen, die derart skandalöse Enthüllungen - sie-he auch Walser oder Handke - erst möglich machen: die Marketing-Maschinerie der Verlage, die Deutungshoheit der Feuilletons und das Markenbewusstsein von Großschriftstellern. Ein produktiver Austausch - über die Altersgrenzen und von-einander abgeschotteten Szenen hinweg - findet im Grunde nicht statt. Tenden-ziell können Schriftsteller immer weniger als Seher und Feldherren fungieren, weil ihre entschleunigte Arbeitsweise den Erfordernissen einer hochtourigen medialen Debattenkultur nicht mehr genügt. Worin besteht aber dann die öffentliche Rolle der einstigen "Utopien-Ich-AGs"? Warum gibt es im Literaturbetrieb fast aus-schließliche männliche Netzwerke, die bestimmte Sprecherpositionen privilegie-ren? Und wo finden sich politische Literaturvermittler, die Texte - nicht Köpfe - wirklich beim Wort nehmen?

Mit:
Burkhard Spinnen
Annette Pehnt
Hans Christoph Buch

Moderation:
Dirk Knipphals

Heinrich-Böll-Stiftung und Sophiensæle haben im Oktober 2006 die Kunst- und Kulturreihe ?Spielstand? gestartet.

Im Rahmen der Reihe Spielstand werden im Kontext jeweils eines Genres pro Veranstaltung zentrale Themen unserer Zeit an der Schnittstelle zwischen Kunst und Politik diskutiert.


Aufführungen

21.02., 20h


ORT
Virchowsaal
















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